Im Westen nix Neues…

…oder doch? Eigentlich ja. Trotzdem ist es hier so ruhig, wie kommt das?

Zum einen habe ich unfassbar viel gearbeitet- öffentlicher Dienst, Bildung, Semesterstart. Ich will ehrlich sein: es war Zeit, schreiend im Kreis zu laufen.

Dazu läuft natürlich das neue Semester an. Und wieder alle so “ahhhhhhhh ahhhhhhhh AHHHHHHHHHHHH!”. Ich habe mich entschlossen, den ein oder anderen Kurs an meiner Heimatuni zu belegen. Und prompt keinen bekommen, der a) passt und den ich b) brauche. Dann direkt am ersten Tag (gestern) mehr oder minder verpennt. E-Mail schreiben und auf Bauchbonus hoffen. Oder einfach das Studi-Ticket und den runder werdenden Bauch mit meinem Zweitstudium genießen?

Ach ja, da war doch noch was. Der Bauch ❤ Was soll ich sagen. Ich bin rund- und fühle mich rundum wohl. Es zwickt hier, es klappert da, es quietscht dort- aber emotional bin ich so viel gefestigter als beim Buben. Da sind alle Zipperlein derzeit noch halb so schlimm.

Bauch

Und wir wissen, was das Bauchkekskind wird <3. Nachdem es ein ganz schönes hin und her war, was ein Geraschel!, ist klar: wir bekommen ein MÄDCHEN. Ein wunderhübsches, perfektes und fast komplett gesundes Mädchen. Leider wird unser Kind einen mini-kleinen Ventrikelspetumdefekt haben, einen der häufigsten Herzfehler. Da er so klein ist, muss er zwar kontrolliert werden, aber ist bei weitem nicht tragisch. Und damit können wir gut leben!

Charakterlich scheint sie sich doch sehr von ihrem großen Bruder zu unterscheiden, sie ist sehr aktiv und nimmt mir so viel Angst. Gut, dass ich mich schon beim Buben mit Haptonomie beschäftigt habe, das kommt mir nun doppelt zugute, denn die kleine Schwester reagiert sehr gut darauf. Laut US wird sie ein sehr großes (schon fast 30 CM!), aber sehr schlankes Kind, wie ihr großer Bruder.

Uuuuuuuuuund der Nestbautrieb. Hört mir auf mit Nestbautrieb! Leider haben wir Stockflecken an unseren Wänden entdeckt, da die Jobsituation meines Mannes noch nicht abschließend (positiv) geklärt ist, bleiben wir noch eine Weile in unserer Wohnung. Daher heißt es renovieren.

Da sind wir fleißig dabei und weil das Wochenende so hart war, habe ich mich tatsächlich mit den ersten zwei selbst gekauften Babysachen belohnt: eine Decke und die Wickelunterlage. Viele kleine Dinge habe ich von einer tollen Freundin geliehen bekommen- und bin immer noch so überwältigt, dass ich gar nicht weiß, wie ich ihr Danke sagen soll.

Der Bube hat nun sein erstes großes Bett bekommen- ein Feuerwehrbett. Über die nächsten Tage und Wochen soll er nun darin schlafen. Wir lassen ihm Zeit. Er meistert die Situation ganz toll und hat einen riesen Sprung gemacht. Auch wenn seine Einschränkungen weit massiver sind, als zu Anfang vermutet, macht er seine Sache wirklich prima, hat Spaß an den Therapien und sich gut in der KiTa eingelebt.

Bett

Allerdings war der Bube auch sehr krank: Grippe (die Echte), dann Noro und direkt drauf Windpocken. In der Zeit hat er sich seelisch wahnsinnig entwickelt, aber trotzdem war die Zeit (fast 4 Wochen keine/kaum KiTa sehr hart für uns alle, zumal es mich auch erwischt hatte. So eine Grippe braucht echt kein Mensch, der Rest blieb mir erspart.

Er braucht im Moment wieder sehr feste Strukturen, viele Regeln und wir haben Zuhause die wildesten Kämpfe. Dafür ist er in der KiTa tiefenentspannt, immerhin. Aber die Kämpfe sind anstrengend und bringen uns alle drei oft an den Rand des “rien ne va plus”.

 

Alles in allem eine anstrengende, aber auch aufregende und schöne Zeit.

“Was wünschen Sie sich für Ihren Sohn?”

Heute nun das Gespräch mit der Frühförderstelle. Zum Schutze unserer Privatsphäre (vor allem Bubes) gehe ich hier nicht auf Details ein. Nur so viel: der Förderbedarf ist doch größer, als vermutet. Auf der einen Seite kann ich es kaum fassen und halte es auch nicht für in Stein gemeißelt. Auf der anderen Seite WEIß ich, als seine Mutter, wir, als seine Eltern, dass er Einschränkungen hat. Wir erleben ihn jeden Tag, ihn, der auf andere so völlig normal wirkt und sehen eben, dass seine Entwicklung NICHT “normal” und “unproblematisch” verläuft, sehen diesen tollen, wundervollen Jungen und sehen auch, was ihn zurück hält.

Versteht mich nicht falsch, mein Sohn ist nicht behindert und weder wollen wir ihn dazu machen, noch wollen wir ihm die Anerkennung, die seine Besonderheiten erfordern nehmen. Er hat Einschränkungen, die ihn belasten und die sich- so weit sich so etwas denn messen lässt- objektiv von Ärzten und Therapeuten messen lassen. Es wurde ein ausführlicher Hilfeplan aufgestellt, so dass der Bube bald alle nötige Hilfe bekommt, die er bekommen soll. Er soll Hilfe bekommen, ohne Stempel, ohne Druck.

Wir als Eltern wurden sehr sensibel behandelt, alle Gespräche waren sehr respektvoll. Meine Sorge war, dass wir eventuell zu wenig in die Therapien einbezogen würden- Gott sei Dank wurde meine Sorge direkt verworfen. Man freue sich und erwarte auch Interesse.

Eine Frage fand ich sehr aufschlussreich und ich hatte auch nicht sofort eine vollständige Antwort parat.

Was wünschen Sie sich für Ihren Sohn?

Ja, was wünsche ich mir, was wünschen wir uns für unser geliebtes Kind? Ich wünschte er hätte weniger Windmühlen, gegen die er kämpfen muss– aber das kann ich nun nicht ändern. Ich wünsche mir, dass er gesund groß wird, dass die Welt in ihm mehr als den Jungen mit Förderbedarf sieht. Ich wünsche ihm alles Glück in diesem Universum.

Ich wünsche mir, dass aus meinem Jungen ein Erwachsener wird, der sich gut um sich und um seine Umwelt kümmern kann. Der fühlt und lacht und lebt und liebt. Der weiß, dass er traurig sein darf- und dass am nächsten Morgen die Sonne wieder aufgeht. Ich hoffe, dass er sein Leben mit Selbstachtung und Selbstwert lebt, dass er erkennt wie wertvoll, wunderbar und einzigartig er ist. Dass er seine Stärken nutzt- und aus seinen Schwächen lernt. Dass er fühlt und weiß, dass er kein Zufall ist, dass er geliebt und geschätzt wird.

Ich hoffe, dass mein Sohn ein Mann mit Fehlern und Schwächen wird. Einer, der mit Kindern auf dem Boden Lego spielt und trotzdem guten Gewissens fluchen kann, wenn er barfuß auf einen Stein tritt. Ich hoffe, dass er seinen Kindern beibringt, nicht nach Tauben in der Stadt zu treten, sondern diese Tiere mit genauso viel Respekt behandelt, wie jedes andere Tier. Ein echter Mann, der weiß, dass Menschen, Tiere und Natur wertvoll und schutzbedürftig sind. Einer, der sich traut “Nein” zu sagen, wenn etwas falsch ist. Einer, der sich entschuldigen kann.

Ich wünsche ihm, dass er mit 80 noch genauso staunen kann wie als zweijähriger Dötz, wenn er einen Regenwurm sieht. Einer der vorsichtig durch den Wald geht, um keine frischen Triebe abzubrechen oder Wild zu verscheuchen. Einer, der eine gute Frau (oder einen guten Mann) findet, die/den er liebt und mit der/dem er glücklich wird.

Ich hoffe, dass er lernt, dass Gute vom Schlechten zu unterscheiden- und dass beides nicht in Stein gemeißelt ist. Ich hoffe er kann vergeben, verzeihen. Ich hoffe, er lernt die Hand zu reichen, auch im Streit. Ich hoffe, er kann sich mit dem milden Blick betrachten, mit dem ich ihn sehe – sich selber lieben und sich selber verzeihen kann.

Ich hoffe, dass er sich einmal an seine Eltern zurück erinnert. Er wird viele Fehler finden. Ich wünsche mir so sehr, dass er sich an eine Kindheit erinnert, in der er als ER wahrgenommen und geachtet wurde. An Eltern, die ihr Bestes gegeben haben – und trotzdem Fehler machten. Wenn er verzweifelt ist, dann will ich, dass er seine/n Partner/in um Hilfe bittet – immer mit dem Wissen, dass wir, Mama und Papa, für ihn da sind. Immer. Ich werde dieses Kind lieben, bis auch das letzte bisschen meiner bescheidenen Existenz, das letzte Molekül meines Wesens, nicht mehr zu erahnen ist.

Ich wünschte ich könnte ihm alle diese Kämpfe abnehmen. Aber so kann ich nur bei ihm sein, seinen Nacken kraulen, ihm “Ich liebe dich” ins Ohr flüstern und ihn so nehmen, wie er ist. Perfekt, mit all seinen Schwächen. Perfekt, egal wie seine Wahrnehmung funktioniert. Mein Sohn, der nicht ist, wie ich ihn gerne hätte- sondern so viel besser.

 

“Eine Lektion hat sich in den Jahr’n herausgesiebt
Die eine nur aus dem Haufen Ballast:
Wie gut es tut, zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt
Ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!” [Reinhard Mey, Zeugnistag]

 

Und ihr? Was wünscht ihr euch für eure Kinder?

Der Bube erfährt vom Bauchbaby

Wie zur Hölle sagt man einem dreijährigen, dass Muddi einen Braten in der Röhre hat?

Eigentlich wollten wir ja warten. Warten bis die 12 Wochen um sind, oder bis er in einem Alter ist, in dem er das versteht. Grundschule oder so. Und dann kam alles anders und zwar so:

Beim Buben bin ich von Übelkeit und Spuckeritis weitestgehend verschont geblieben, diesmal hat es mich aber ganz großzügig erwischt. Und so kam es, dass der kleine Bursche mitbekam, wie Muddi würgend über Klo hing. Das hat ihm verständlicherweise ziemliche Angst gemacht. Eine Erklärung musste her:
“Und das Baby kannst du noch gar nicht sehen, das ist in Mamas Bauch! Das ist so groß wie eine Weintraube…”

Bube, legt mir vertrauensvoll die Hand auf den Arm und streichelt mir durch das Gesicht: “Mama. Mama! Mama nur Traube geesst hat!”

Jetzt darf er für jeden Tag, den er auf das Baby warten muss, einen Stempel in unseren gemeinsamen Kalender machen. Wir sehen regelmäßig ein Buch an und mittlerweile hat der kleine Mann verstanden, dass er bald ein großer Bruder sein wird.

“Mama, ich einen Bruder bekomme!”
“Naja, du kannst ja auch eine kleine Schwester bekommen…”
Bube lacht. “Nein, eine kleine Bruder! Kein Mädchen. Bruder oder Bagger! Tausche ich mit E.!”

Bube hat einen Termin

Nun ist der kleine Mann ja schon eine ganze Weile in der KiTa. Einige Probleme haben sich schon von ganz allein geklärt, andere bedürfen noch etwas Hilfe. Da wir in einer integrativen KiTa sind, sind die Möglichkeiten einfach optimal. Alles ist vor Ort, maximal im Nebengebäude- das schließt die Frühförderstelle mit ein. Eben da haben wir den ein oder anderen Termin. Obwohl wir das überhaupt nicht schlimm finden, war die Aufregung groß – was, wenn der Bursche das Gefühl bekommt “nicht normal”, “anders” oder gar “krank” zu sein? Welche Einschränkungen er auch immer haben mag, wir wollen nur, dass er sich normal und in seinem Tempo entwickeln darf, die Förderung erhält, die er braucht, ohne über-fördert zu werden. In jedem Menschen steckt so viel Potential und seines soll er komplett nutzen können.

Wie geht man also damit um? Überall wurde uns versichert, man wolle unser Kind nicht “behindert reden”, da wäre auch nicht der leiseste Verdacht. Daran, das muss ich zugeben, habe ich nicht im Entferntesten gedacht. Offensichtlich wurden da schon einschlägige Erfahrungen mit anderen Eltern gemacht. Unsere Sorge war, dass es für ihn nicht völlig normal sein könnte, dass er etwas Unterstützung braucht oder dass sie ihn durch irgendeinen diagnostischen Zauber schicken, der am Ende nix bringt.

Wie kommuniziert man also seinem Kind, dass da “mal genauer drauf geguckt” werden muss?

Wir leben und begleiten nach einem Motto:

Egal wie du bist- du bist gut so

Also haben wir ihm positive Nachrichten vermittelt: du darfst hingehen, wir haben einen Termin. Du kannst da mit anderem Spielzeug als zuhause spielen.

Was soll ich sagen? Bisher hat er alle Termine total toll gemeistert – obwohl seine Laune nicht immer die beste war. Und wir sind stolz. Auch darauf, dass er ein völlig gesundes und normal entwickeltes Kind ist. Es gibt mehrere Vermutungen und keine davon ist “schlimm”. Ich habe so viel negatives von SPZ und Frühförderstellen gelesen und machen nun eine komplett andere Erfahrung. Wir fühlen uns rundum gut betreut.

Childhood Dreams

Ich war ein Träumerle- schon als Kind. Ich dachte, irgendwann, wenn ich groß bin, dann mache ich, wonach mir der Sinn steht! Und wie mir der Sinn stand 😀 Ich wollte Eis und Kekse zum Frühstück, nicht zur Schule gehen, den ganzen Tag schaukeln. Durch Rasensprenger hüpfen, in der Sonne liegen und keine Sonnencreme nutzen. Ich wollte aufbleiben, so lange ich will und immer barfuß gehen. Mein Haus sollte in einem ausgehöhlten Baumstamm sein, mit ganz viel Flaschenzügen. Und Pferde hätte ich natürlich gehabt, klaro! Und keiner hätte mich gescholten, weil ich so wild war. In meiner Welt konnte ich wild sein.

Und irgendwann ist die Kindheit vorbei. Und die Kindheitsträume hallen noch etwas nach, bis sie nach und nach unwichtiger werden und schließlich nur immer wieder wie ein Blitzlicht auftauchen.

Aus meiner Kindheit ist nicht mehr viel geblieben. Eigentlich fast gar nichts. Aber wenn ich morgens heimlich Schokolade oder Kekse esse- dann hab ich es geschafft. Ich bin erwachsen und könnte meinen Traum leben. Stattdessen weiß ich nicht mehr, was ich träumen soll. Und ich starre auf die Tapete und fühle mich irgendwie ganz schön leer. Als hätte ich mein kindliches Ich einfach so verraten. Und ich bin jedes Mal froh, wenn der Bube angerannt kommt, so voll kindlicher Leichtigkeit, Hoffnung und voller Träume- und ich ein ganz kleinen bisschen von diesem Funken abbekomme. Dann weiß ich: alles wird gut.

Du bist das Apfelbäumchen, das ich pflanz! [Reinhard Mey]

Reinhard Mey, sehr empfehlenswert für Heule-Sehnsuchts-Sentimental-Tage- besser kann man es fast nicht ausdrücken!

Der Bube ist so groß werden! Unfassbar, dass der nächsten Monat schon 3 Jahre alt wird…

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Mein liebster, kleiner Murmelmann, mein Äffchen!

Was du schon alles kannst!

Sprechen und Sprache:

Du kannst nun praktisch alles sagen, erzählst ganze Geschichte, kannst dich mitteilen, du sagst uns, was du willst- und vor allem: was du nicht willst 🙂 dabei ist es dir leider völlig egal, was wir dir sagen 😦 Du hörst einfach nicht zu, oft scheint es, als lebtest du in deiner eigenen Welt. Das nervt leider ganz schön oft, hab Verständnis für uns, wir versuchen es!

Du sagst nun oft, dass du uns liebst, du kuscheln willst und dass wir dich kraulen sollen. Du bittest uns, Geschichten zu lesen und kannst viele davon schon mitsprechen. Du fängst an, KiTa-Lieder nachzusingen und das ist einfach nur unfassbar goldig.

Du kannst nun ohne größere Probleme bis 10 zählen und sogar schon etwas holrig bis 15. Du kannst – fast! – Mamas Namen (der echt schwer ist!) buchstabieren, weil du mich das so oft tun hörst. Du hast intensives Interesse an Buchstaben und verlangst immer wieder, dass wir einzelne Buchstaben aufschreiben und versuchst sie nachzumalen. Einzig die Motorik fehlt noch, glaube ich.

Leider kreischt und qietscht du ganz viel, besonders in der KiTa- immer wieder wiederholst du (auch Zuhause) die KiTa-Regeln, um sie direkt darauf zu brechen.

Motorik/Bewegung:

Du bist manchmal noch recht unbeholfen, aber schnell und zielgerichtet unterwegs. Klettern kannst du ja schon unfassbar lang sehr gut. Das hat an Faszination nichts verloren! Du rutscht und schaukelst gern und tobst viel.

Du magst in der KiTa besonders das Bällebad und liebst es, dort rumzurennen.

Beim Malen wirst du immer besser und erzählst uns oft, was genau du gemalt hast. Mittlerweile machst du ziemlich runde Kreise! Du fängst an, mit der Schere zu schneiden, was du eventuell schon könntest, wenn Mama und Papa mutiger wären.

Du hast begonnen, dich für Knete zu interessieren und hast auch keine Angst mehr vor Wasserfarben 🙂

Du magst besonders:

  • Die KiTa, ist ja klar! Da hast du schon einige Freunde…
  • Schokolade, Kekse und Eis
  • Bagger, Traktoren, Baustellenfahrzeuge, Autos, Garagen und Waschanlagen. Mit Auto aussaugen kann man dir eigentlich immer einen Gefallen tun!
  • Flunkerfisch – das Buch liebst du heiß und innig.
  • Sportfreunde Stiller (“Mama Sportis!” oder, wenn ich mal wieder mit Freunden aus dem Rheinland gesprochen habe 🙂 “Mama Spooochtis!”)
  • Du machst unheimlich gerne Alltagstätigkeiten- kannst davon aber auch nicht lassen. Dabei hilfst du echt schon richtig super gut mit! Wir haben nur immer Angst, dass dir die Kindheit flöten geht…
  • Nähmaschine. Du magst mir immer helfen und wenn ich Geduld habe, lasse ich dich mitmachen. Das klappt dann mehr oder minder gut, macht aber meistens Spaß. Mehr Spaß würde es machen, wenn meine Maschine nicht so doof wäre.
  • Pommes
  • Kuchen und Kekse backen- und DAS kannst du richtig mega super duper gut! Du hast wenig Geduld beim Abmessen, aber wenn du in der Zeit den Mixer und die Rührstäbe schon rausholen darfst ist alles gut. Du weißt sogar schon, was wir für den Kuchen brauchen und das finde ich Wahnsinn!
  • Deinen Affen und Grölle (Schnuller)

Das magst du nicht so gern:

  • Baden
  • Geräusche, von denen du nicht weißt, woher sie kommen, das macht dir Angst
  • Seit der Trennung von deinen Großeltern nach de großen Streit hast du leider sehr viel Angst vor vielen Dingen und brauchst extrem viel ritualisierte Handlungen, was uns etwas Sorge machst
  • Wenn dir Erwachsene nicht zuhören oder tun, als verstünden sie dich nicht. Das macht dich – verständlicherweise- schier wahnsinnig
  • Deinen Grölle (Schnuller) abgeben
  • Das Wort “Nein”- was immer wieder zu ganzen Dramen führt 😦
  • Kartoffelpuffer
  • Bei etwas nicht helfen zu dürfen

Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll, so viel Gedanken, und mein Herz ist übervoll, so viel Gefühle drängen sich zur selben Zeit: Freude und Demut und Dankbarkeit. […] dies ist mein Kind, welch ein Geschenk!
Wenn alle Hoffnungen verdorr’n, mit dir beginn’ ich ganz von vorn, und Unerreichbares erreichen, ja ich kann’s! Du bist das Apfelbäumchen, das ich pflanz!
[..]
Du bist ein Licht in ungewisser Zeit, ein Ausweg aus der Ausweglosigkeit, wie ein Signal, den Weg weiterzugeh’n, Herausforderung weiter zu besteh’n.Wo vieles voller Zweifel, manches zum Verzweifeln ist, da macht ein Kind, daß du alle Zweifel vergißt. Es sind in einer Welt, die ziel- und rastlos treibt, die Kinder doch die einz’ge Hoffnung, die uns bleibt!

Reinhardt Mey, “Mein Apfelbäumchen”

Von der KiTa, Linzer-Keks-Ausstechern und dem Loslassen

Nun ist es also seit fast vier Wochen amtlich- der Bursche ist ein KiTa Kind. Richtig echt, mit KiTa-Tasche, Brotbox und jeden Tag pünktlich hinbringen.

In seiner Gruppe gibt es eine weibliche Erzieherin (EW1), einen Heilpädagogen (EM1), eine Anerkennungspraktikantin (EW2) und einen Jahrespraktikanten (EM2). Da es eine integrative KiTa ist, gibt es in seiner Gruppe ebenfalls Kinder mit Behinderungen, ganz viele heilpädagogische Angebote und vor allem eines: Zeit. Zeit, auf die Kinder einzugehen, Zeit, Kinder mal in den Arm zu nehmen, Zeit in Ruhe zu frühstücken, Zähne zu putzen, Geschichten zu lesen.

Die erste Woche sollte, ganz nach Berliner Modell, laaaaangsam anfangen, mit mir im Raum und beobachten und so. Ich saß ab Tag 2 die Stunde, die er da war, draußen. Bei anderen Mamas. Die schon früher mit der Eingewöhnung begonnen haben. Denn der Bursche hatte vor allem eines nicht: Angst, dass ich nicht wieder komme. Also ist er recht schnell losgeflitzt, hat gespielt, getobt und sich nur ab und an versichert, dass ich noch da bin. Tag 4 dann die erste “längere” Trennung, da ich die KiTa tatsächlich verlassen habe. Alleine. In einem Auto ohne Buben.

Woche 2 dann mit Frühstück. Und “Tschüss Mama!”. Eigenartiges Gefühl. Echt. Ich lasse meinen Sohn jetzt da- bei “fremden” Menschen (fremd= Menschen, die nicht ich oder der Kerl sind). Und die sind für ihn verantwortlich. Die passen auf ihn auf, trösten ihn, wenn er fällt und sehen, ob er genug isst und trinkt.

In Woche 3 bleibt er zum Mittagessen – insgesamt also von 8-12. Es gab dann doch die ein oder andere Träne beim Abschied- die aber in dem Moment, in dem ich den Raum verlasse schon wieder versiegt sind. Ich versuche den Abschied kurz und schmerzlos zu machen- nicht, dass er denkt, er müsste sich schlecht fühlen, weil er Spaß ohne mich hat. Würde ich länger bleiben, würde ich sicher weinen und das wäre dann für keinen gut.

EW1 ist sehr zufrieden mit seiner Entwicklung- und hat mir gesagt, dass es immer leichter ist, wenn Kinder und Eltern eine gute Bindung haben. Das, dass muss ich zugeben, hat mich dann doch stolz gemacht. Und, dass der Bube einfach schon total viel versteht, sich gut ausdrücken kann und sich ganz gut in die Regeln einfindet. Nur das Sitzenbleiben, das klappt noch so gar nicht.

Und wie der Bube versteht! Und wie er spricht- es ist Wahnsinn. 3 Wochen und hunderte, ungelogen hunderte!, von neuen Wörtern, Erzähl- und Spielstrukturen. Er scheint schon angekommen zu sein, in “seiner” KiTa und ist am Wochenende immer traurig, dass keine KiTa ist. Gestern durfte er nicht gehen, weil er Sonntag Abend etwas Fieber hatte (Zähne vermutlich) und wir sicher gehen wollten, dass er nicht krank wird. Was für ein Drama!

Meine KiiiiiiiiTaaaaaaaa! KiiiiiTaaaaa fahr´n!

Und dazu die dicken Krokodilstränchen, die die Wange runter laufen… armer kleiner Junge! Ja, er fühlt sich wohl und geht gerne hin.

Und was mache ich? Arbeiten, klar, dass bleibt. Aber der Kerl und ich- wir waren sogar schon einmal einen “schnellen” Kaffee trinken (weil wegen Arbeit und so). Und ich kann morgens Sport machen, also an Tagen, an denen ich nicht arbeite. Ich kann mal ein Museum besuchen, lesen, putzen, studieren. Alles ohne den Buben. Das ist schon irgendwie aufregend, so nach drei Jahren praktisch fast nie alleine. Es erleichtert mich, weil ich keine Angst mehr vor Donnerstagen haben muss, an denen meine Kräfte von der Woche schon aufgezehrt sind und ich so lange mit ihm alleine war, so dass ich oft (sehr oft) an meine Grenzen gestoßen bin und wir aus Überforderung gestritten haben.

Es macht mich aber auch traurig. Traurig, dass unsere Dienstage mit Brötchen-Holen und Schokosplitter aufs Brötchen vorbei sind. Traurig, dass unser Kaffee-im- Thermobecher-und-ab-auf-den-Spielplatz vorbei ist. Traurig, dass ich ihn nicht mehr einfach ins Tuch oder den Wagen packe und wir durch die Gegend ziehen. Ich habe so viel verpasst und so viel Negatives in der Zeit zugelassen und jetzt ist sie unwiederbringlich vorbei. Mein kleiner Junge ist jetzt ein großer Junge. Und ich sitze hier, heulend. ICH hätte die Eingewöhnung gebraucht.

Die Zeit ist vorbei. Eine neue, tolle Zeit bricht an. Diese Woche (Woche 3) habe ich das erste Mal die Wohnung ohne den Buben betreten. Vorher hatte ich mich verabredet, denn in die leere Wohnung zu kommen war undenkbar. Und dann ist der dieser Infekt. Und der Schlafmangel. Und ich bin einfach nach Hause gegangen. Bin über Spielzeug gestiegen und hab mich die zwei Stunden einfach ins Bett gelegt und geschlafen. Und kurz habe ich mich unendlich einsam gefühlt. Und dann war es gut. Es wird sicher schwanken, aber der Bube ist da gut aufgehoben und genießt seine Zeit dort- und ich kann in der Zeit etwas anderes machen. Ohne den Buben. Ohne den Kerl, der arbeitet. Ich. Das kann ja was werden!

Etwas, dass es mir viel leichter macht, meinen Jungen abzugeben ist, ihm ein wundervolles Frühstück mitzugeben. Ich steche Brot aus, mache Wraps (die er verschmäht hat, dabei isst er sie eigentlich recht gern), schneide Obst und Gemüse.  Besonders gut geht das mit Linzer-Keksausstechern, da er da sogar sehen kann, was auf dem Brot ist. Ich habe bei Xenos einfach ein billiges Set bestellt, in dem ich die Form des “Fensters” selber bestimmen kann- auf Dauer hätte ich aber gerne etwas qualitativ Hochwertigeres. Das nimmt morgens nicht so viel Zeit in Anspruch und mir hilft es, weil ich sicher sein kann, dass er sich freut, wenn die Brotdose öffnet. Im Laufe der Zeit wird da sicher noch einiges zum Repertoire dazu kommen, ich lese und gucke schon unheimlich viel nach “Bento-Boxen”.

Jeden Morgen bringe ich ihn also pünktlich hin, ziehe ihm seine Hausschuhe an, sage ihm, dass ich ihn liebe- und lasse ihn da. Und er ist merklich entspannter, fröhlicher und ausgeglichener. Großer Junge!

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Aus kleinen Leuten werden große Leute

Aus kleinen Leuten werden große Leute-und das schneller, als mir lieb ist, zumindest manchmal. Wie groß der Sohn geworden ist, fällt mir immer wieder auf. Manchmal macht mich das stolz, andere Male unglaublich wehmütig. Viele Dinge kann er jetzt wie ein ganz Großer!

Gestern war die letzte-wirklich letzte-Sitzung mit “meiner” Bindungstherapeutin. Das war mir leider nicht ganz klar, ich dachte, wir hätten noch ein abschließendes Treffen, daher war ich etwas unvorbereitet. Ich “muss” also noch einmal hin, denn da sie mich über 2 Jahre begleitet hat, will ich mich nicht mit einem feuchten Händedruck verabschieden. Bei Krisen kann ich mich auch weiterhin an die Klinik wenden, aber sie wird halt nicht da sein. Der Grund dafür kann erfreulicher nicht sein: sie wird nun selber Mama und geht in Erziehungszeit ❤ Sie hat mir aber mehrfach bestätigt, dass wir bombensicher gebunden sind und sie sich immer freut, wenn sie einen so schönen Verlauf erleben darf.

Trotzdem ist mir gestern etwas aufgefallen- als ich das erste Mal zitternd und fast heulend vor ihrer Tür stand, da stand ich im August 2013 mit Maxi Cosi und Mini-Sohn dort. Da habe ich ihn noch gestillt und wusste sonst nix mit ihm anzufangen. Durch sie konnte ich Kontakt zu meinem Kind aufbauen und endlich das fühlen, was ich erlebte.

Als ich gestern da war, kam der Bube das erste Mal alleine an den Fahrstuhlknopf. Ein langer Weg von Maxi-Cosi zu Fahrstuhlknopf mit vielen Tränen, Sorgen, aber auch Lachen und Erkenntnissen. Ich werde sie vermissen, die Gruppe, die Therapeutin, aber auch und vor allem die Routine. Denn eigentlich habe ich schon lange bemerkt, dass ich der Therapie entwachse. Das ich “Krisen” verstärkt mit anderen Mamas aus meinem Freundeskreis löse, in Facebookgruppen nachfrage und mir so viele Dinge selber aneigne.

Der Fahrstuhlknopf. Er steht stellvertretend für all die Dinge, die mein Sohn nun kann oder wir zusammen gemeistert haben. Dieser fantastische Junge. Dieses tolle Kind. Er kann erzählen, wie er die Welt erlebt, was ihm passiert ist, was ihn traurig macht oder wütend. Er hat Freunde, die er in der KiTa sieht und eine Freundin, die er oft vermisst, genau wie ich ihre Mama oft vermisse. Er tröstet mich, wenn ich traurig bin. Er lacht, wenn ich einen Witz mache, er tobt und rennt und spielt. Wir sind eine Einheit. Nicht eine Person, aber eine Einheit. Er weint nach mir, wenn es ihm schlecht geht und lässt mich gehen, wenn es ihm gut geht- weil er weiß, dass ich wieder komme. Es ist nicht perfekt- aber es ist perfekt für mich. Und ich bin jeden Tag kurz dankbar dafür, wie es gelaufen ist. Nicht, dass ich nicht oft fluchen würde- ich hätte es mir sicher unkomplizierter gewünscht. Aber es hätte so verdammt viel mehr schief gehen können. So viel Unterstützung zu erfahren ist ein Privileg.