Aus kleinen Leuten werden große Leute

Aus kleinen Leuten werden große Leute-und das schneller, als mir lieb ist, zumindest manchmal. Wie groß der Sohn geworden ist, fällt mir immer wieder auf. Manchmal macht mich das stolz, andere Male unglaublich wehmütig. Viele Dinge kann er jetzt wie ein ganz Großer!

Gestern war die letzte-wirklich letzte-Sitzung mit “meiner” Bindungstherapeutin. Das war mir leider nicht ganz klar, ich dachte, wir hätten noch ein abschließendes Treffen, daher war ich etwas unvorbereitet. Ich “muss” also noch einmal hin, denn da sie mich über 2 Jahre begleitet hat, will ich mich nicht mit einem feuchten Händedruck verabschieden. Bei Krisen kann ich mich auch weiterhin an die Klinik wenden, aber sie wird halt nicht da sein. Der Grund dafür kann erfreulicher nicht sein: sie wird nun selber Mama und geht in Erziehungszeit ❤ Sie hat mir aber mehrfach bestätigt, dass wir bombensicher gebunden sind und sie sich immer freut, wenn sie einen so schönen Verlauf erleben darf.

Trotzdem ist mir gestern etwas aufgefallen- als ich das erste Mal zitternd und fast heulend vor ihrer Tür stand, da stand ich im August 2013 mit Maxi Cosi und Mini-Sohn dort. Da habe ich ihn noch gestillt und wusste sonst nix mit ihm anzufangen. Durch sie konnte ich Kontakt zu meinem Kind aufbauen und endlich das fühlen, was ich erlebte.

Als ich gestern da war, kam der Bube das erste Mal alleine an den Fahrstuhlknopf. Ein langer Weg von Maxi-Cosi zu Fahrstuhlknopf mit vielen Tränen, Sorgen, aber auch Lachen und Erkenntnissen. Ich werde sie vermissen, die Gruppe, die Therapeutin, aber auch und vor allem die Routine. Denn eigentlich habe ich schon lange bemerkt, dass ich der Therapie entwachse. Das ich “Krisen” verstärkt mit anderen Mamas aus meinem Freundeskreis löse, in Facebookgruppen nachfrage und mir so viele Dinge selber aneigne.

Der Fahrstuhlknopf. Er steht stellvertretend für all die Dinge, die mein Sohn nun kann oder wir zusammen gemeistert haben. Dieser fantastische Junge. Dieses tolle Kind. Er kann erzählen, wie er die Welt erlebt, was ihm passiert ist, was ihn traurig macht oder wütend. Er hat Freunde, die er in der KiTa sieht und eine Freundin, die er oft vermisst, genau wie ich ihre Mama oft vermisse. Er tröstet mich, wenn ich traurig bin. Er lacht, wenn ich einen Witz mache, er tobt und rennt und spielt. Wir sind eine Einheit. Nicht eine Person, aber eine Einheit. Er weint nach mir, wenn es ihm schlecht geht und lässt mich gehen, wenn es ihm gut geht- weil er weiß, dass ich wieder komme. Es ist nicht perfekt- aber es ist perfekt für mich. Und ich bin jeden Tag kurz dankbar dafür, wie es gelaufen ist. Nicht, dass ich nicht oft fluchen würde- ich hätte es mir sicher unkomplizierter gewünscht. Aber es hätte so verdammt viel mehr schief gehen können. So viel Unterstützung zu erfahren ist ein Privileg.

Und da waren es plötzlich 30%

Das ist nämlich das höchste der Gefühle, wenn du “nur” auf Psyche einen Antrag stellst. Und überhaupt- eigentlich ist mein Landkreis dafür bekannt, gerne den Erstantrag abzulehnen. Und beim zweiten Unterlagen nachzufordern, bis man den Antrag zurück zieht. Daher habe ich mir recht wenig-eigentlich gar keine- Hoffnung gemacht, dass ich da stressfrei rauskomme. Meine Neurologin hat mich schon drauf vorbereitet, dann würden wir den Antrag noch einmal stellen, das hätte nix zu bedeuten, die Diagnosen stünden trotzdem…

“Sehr geehrte Frau Banane, ihr Antrag ist an XX.XX.2015 bei uns eingegangen. Bitte beachten Sie, dass sie Bearbeitung bis zu 12 Wochen in Anspruch nehmen kann und sehen sie von Rückfragen zum Stand Ihres Abstand ab. Mit freundlichen Grüßen Ihr Versorgungsamt”

Und alle nur so YEAH! Ich denk mir also mal so gar nix böses, gehe zum Briefkasten, sehe den Brief und denk so- pfffffffffffffff! Betreuungsgeldstelle, was geht denn?! Und ich mach den Brief so auf und lese

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Und denke mir so- wie? Das soll es gewesen sein? Und jetzt findet der Staat auch, dass ich eine Behinderung habe?!

Für mich pure Befreiung- denn da hab ich es plötzlich, schwarz auf weiß: ich hab wirklich was. Ich stelle mich nicht nur an. Und da hocke ich jetzt, auf einem der größten Scheißhaufen der Geschichte meiner Existenz und hab das, was mir so oft angesprochen wurde: ein Beweis. Das ging schnell, unproblematisch und ohne Kampf. Ich bin immer noch platt!

Run girl run! Break out from society [Frei nach: Woodkid, “Rund boy run”]

Da isser jetzt- ein neuer Blog. Ganz leer, kein Beitrag, kein Tag, kein/e Leser/in… jungfräulich quasi. Die Wahrheit ist: ICH habe das Schreiben vermisst, und wie! Aber ich war gelähmt, ohne mein Meeedchen ❤ wäre dieser Blog jetzt nicht existent. Und jetzt hocke ich hier, mit einer Trillion Themen auf der Zunge und tippe die ersten Worte und weiß plötzlich nichts mehr zu sagen.

Es hat sich so unfassbar viel verändert- hauptsächlich Dinge, die ich nach und nach passwortgeschützt hier veröffentlichen werde. Daher verzeiht, heute gibt es nicht mehr so arg viel. Aber: ich lebe noch. Es gibt mich noch! Und wenn mir die Sch**** bis zur Hüfte steht, ich finde ja eh: in Gummistiefeln ist man immer gut gekleidet. Da muss man wohl mal die Arsch****** zusammenkneifen und die Kacke rocken. Aber eine Sache ist ist so deutlich wie selten zuvor: ich bin kein Teil dieser Gesellschaft. Ich passe einfach nicht rein. Nirgendwo- ich werde mir also wohl oder übel meine eigene Welt schaffen müssen…

Mein geliebter Blog, treuer Freund, wie habe ich dich vermisst. Verzeih, dass ich dich unter anderem Namen weiterführen muss. Ich hoffe, dass das Schicksal uns nicht mehr so lange trennt!